Faszien

Fazien haben das Problem zuerst, dann folgen die Muskeln – Manus

Faszien lösen sich bei Basiem Mileut – Faszien ziehen sich bei saurem Mileu zusammen – Manus

PH Wert:

„Der Blut-pH liegt bei 7,35–7,45 und wird streng reguliert.“

„Es gibt keine belastbaren peer-reviewten Studien, die zeigen: basisch = entspannte Faszie / sauer = kontrahierte Faszie.“

🔎 Literaturcheck

Es gibt:

  • keine klinischen Humanstudien, die zeigen, dass eine Verschiebung des systemischen pH-Werts innerhalb physiologischer Grenzen Faszienspannung direkt verändert.

  • keine randomisierten Studien, die belegen, dass „basische Ernährung“ Faszienmechanik verbessert.

Relevante Reviews zur Faszienbiologie:

  • Robert Schleip et al. (2012).
    Fascial plasticity – a new neurobiological explanation.
    Journal of Bodywork and Movement Therapies.

  • Carla Stecco (2015).
    Functional Atlas of the Human Fascial System.

  • Schleip et al. (2019).
    Fascia is able to actively contract and may thereby influence musculoskeletal dynamics.
    Frontiers in Physiology.

➡️ In diesen Arbeiten wird Faszienspannung erklärt durch:

  • mechanische Belastung

  • Myofibroblasten-Aktivität

  • nervale Regulation

  • Gewebeumbau

pH als primärer Regulationsmechanismus wird dort nicht beschrieben.

Bewertung:

✔️ Die Aussage „keine belastbaren Belege“ ist korrekt.


2️⃣ „Faszienmechanik wird primär mechanisch reguliert.“

Das ist gut belegt.

Mechanotransduktion ist zentral

  • Hinz (2010).
    The myofibroblast: paradigm for a mechanically active cell.
    Journal of Biomechanics.

  • Tomasek et al. (2002).
    Myofibroblasts and mechano-regulation of connective tissue remodelling.
    Nature Reviews Molecular Cell Biology.

Diese Arbeiten zeigen:

  • Spannung → Zellantwort

  • Dehnung → Genexpression

  • mechanische Last → Umbauprozesse

Nicht: kleine pH-Schwankungen im physiologischen Bereich.

✔️ Diese Aussage ist wissenschaftlich korrekt.


3️⃣ „Myofibroblasten erzeugen aktive Spannung – primär mechanisch getriggert.“

Ja, das stimmt.

Myofibroblasten reagieren vor allem auf:

  • mechanische Spannung

  • TGF-β

  • Gewebeschädigung

Quelle:

  • Hinz et al. (2007).
    Recent developments in myofibroblast biology.
    Nature Reviews Molecular Cell Biology.

Es gibt Hinweise, dass extreme pH-Veränderungen in vitro Zellverhalten beeinflussen können –
aber das betrifft pathologische oder experimentelle Bedingungen, nicht normale physiologische Schwankungen.

✔️ Also auch hier: korrekt, aber differenziert.


4️⃣ „pH-abhängige Faszienverhärtung ist nicht belegt.“

Hier wird es wichtig.

Es gibt Forschung zu:

  • pH-Effekten auf Kollagenstruktur (in vitro)

  • Azidose bei Entzündung

  • Tumormikromilieu (lokal saurer)

Aber:
👉 Keine Evidenz, dass ein gesunder Mensch durch Ernährung ein „saures Faszienmilieu“ erzeugt, das mechanisch verhärtet.

Auch große Reviews zur „Alkaline Diet“ finden keine strukturellen Bindegewebseffekte:

  • Fenton et al. (2011).
    Cochrane Review zur alkalischen Ernährung.

  • Schwalfenberg (2012).
    Journal of Environmental and Public Health.

✔️ Die Einordnung als spekulativ ist wissenschaftlich korrekt.


5️⃣ Zur systemischen „Übersäuerung“

Medizinisch:
Chronische systemische Azidose tritt bei:

  • Niereninsuffizienz

  • Ketoazidose

  • schwerer respiratorischer Insuffizienz

Nicht bei normaler Ernährung.

Quelle:

  • Kraut & Madias (2010).
    Nature Reviews Nephrology.

  • Guyton & Hall, Medical Physiology.

✔️ Auch hier: korrekt.


🧠 Wissenschaftlich saubere Zusammenfassung

Aussage Bewertung
Keine belastbaren Studien zu „basisch entspannt Faszie“ ✔️ korrekt
Faszien reagieren primär mechanisch ✔️ gut belegt
Myofibroblasten sind mechanosensitiv ✔️ gut belegt
pH als zentraler Steuermechanismus ❌ nicht belegt
„Übersäuertes Gewebe“ bei Gesunden ❌ medizinisch nicht anerkannt

🧩 Wichtige Differenzierung

Es gibt Hinweise, dass:

  • starke lokale Azidose (z.B. bei Entzündung)

  • Tumormilieu

  • Ischämie

Zellverhalten beeinflussen können.

Aber das ist nicht gleichzusetzen mit:
„Ernährung → basisch → Faszie entspannt“.

Das sind völlig unterschiedliche Ebenen.