Faszien

Das sind Faszien und so funktionieren sie

Faszien sind Bindegewebsstrukturen, die den Körper wie ein dreidimensionales Netz durchziehen. Sie umhüllen und verbinden Muskeln, Organe, Knochen und weitere Gewebe, geben ihnen Halt und ermöglichen gleichzeitig Beweglichkeit. Faszien bestehen hauptsächlich aus zugfesten Kollagenfasern, elastischen Fasern und einer wasserreichen Grundsubstanz. Darin liegen lebende Zellen, die das Gewebe laufend erneuern und an Belastungen anpassen. Manche Faszien bilden feste, flächige Hüllen, andere lockere, verschiebliche Verbindungen. Gemeinsam helfen sie, Kräfte zu übertragen und benachbarte Strukturen bei Bewegungen aneinander vorbeigleiten zu lassen. Über ihre Nervenendigungen liefern sie dem Nervensystem Informationen über mechanische Reize und können auch an der Entstehung von Schmerzen beteiligt sein. Regelmäßige, abwechslungsreiche Bewegung unterstützt ihre Belastbarkeit und die Beweglichkeit des gesamten Muskel-Bindegewebs-Systems.

Fazien haben das Problem zuerst, dann folgen die Muskeln – Manus

Faszien lösen sich bei Basiem Mileut – Faszien ziehen sich bei saurem Mileu zusammen – Manus

PH Wert:

„Der Blut-pH liegt bei 7,35–7,45 und wird streng reguliert.“

„Es gibt keine belastbaren peer-reviewten Studien, die zeigen: basisch = entspannte Faszie / sauer = kontrahierte Faszie.“

🔎 Literaturcheck

Es gibt:

  • keine klinischen Humanstudien, die zeigen, dass eine Verschiebung des systemischen pH-Werts innerhalb physiologischer Grenzen Faszienspannung direkt verändert.

  • keine randomisierten Studien, die belegen, dass „basische Ernährung“ Faszienmechanik verbessert.

Relevante Reviews zur Faszienbiologie:

  • Robert Schleip et al. (2012).
    Fascial plasticity – a new neurobiological explanation.
    Journal of Bodywork and Movement Therapies.

  • Carla Stecco (2015).
    Functional Atlas of the Human Fascial System.

  • Schleip et al. (2019).
    Fascia is able to actively contract and may thereby influence musculoskeletal dynamics.
    Frontiers in Physiology.

➡️ In diesen Arbeiten wird Faszienspannung erklärt durch:

  • mechanische Belastung

  • Myofibroblasten-Aktivität

  • nervale Regulation

  • Gewebeumbau

pH als primärer Regulationsmechanismus wird dort nicht beschrieben.

Bewertung:

✔️ Die Aussage „keine belastbaren Belege“ ist korrekt.


2️⃣ „Faszienmechanik wird primär mechanisch reguliert.“

Das ist gut belegt.

Mechanotransduktion ist zentral

  • Hinz (2010).
    The myofibroblast: paradigm for a mechanically active cell.
    Journal of Biomechanics.

  • Tomasek et al. (2002).
    Myofibroblasts and mechano-regulation of connective tissue remodelling.
    Nature Reviews Molecular Cell Biology.

Diese Arbeiten zeigen:

  • Spannung → Zellantwort

  • Dehnung → Genexpression

  • mechanische Last → Umbauprozesse

Nicht: kleine pH-Schwankungen im physiologischen Bereich.

✔️ Diese Aussage ist wissenschaftlich korrekt.


3️⃣ „Myofibroblasten erzeugen aktive Spannung – primär mechanisch getriggert.“

Ja, das stimmt.

Myofibroblasten reagieren vor allem auf:

  • mechanische Spannung

  • TGF-β

  • Gewebeschädigung

Quelle:

  • Hinz et al. (2007).
    Recent developments in myofibroblast biology.
    Nature Reviews Molecular Cell Biology.

Es gibt Hinweise, dass extreme pH-Veränderungen in vitro Zellverhalten beeinflussen können –
aber das betrifft pathologische oder experimentelle Bedingungen, nicht normale physiologische Schwankungen.

✔️ Also auch hier: korrekt, aber differenziert.


4️⃣ „pH-abhängige Faszienverhärtung ist nicht belegt.“

Hier wird es wichtig.

Es gibt Forschung zu:

  • pH-Effekten auf Kollagenstruktur (in vitro)

  • Azidose bei Entzündung

  • Tumormikromilieu (lokal saurer)

Aber:
👉 Keine Evidenz, dass ein gesunder Mensch durch Ernährung ein „saures Faszienmilieu“ erzeugt, das mechanisch verhärtet.

Auch große Reviews zur „Alkaline Diet“ finden keine strukturellen Bindegewebseffekte:

  • Fenton et al. (2011).
    Cochrane Review zur alkalischen Ernährung.

  • Schwalfenberg (2012).
    Journal of Environmental and Public Health.

✔️ Die Einordnung als spekulativ ist wissenschaftlich korrekt.


5️⃣ Zur systemischen „Übersäuerung“

Medizinisch:
Chronische systemische Azidose tritt bei:

  • Niereninsuffizienz

  • Ketoazidose

  • schwerer respiratorischer Insuffizienz

Nicht bei normaler Ernährung.

Quelle:

  • Kraut & Madias (2010).
    Nature Reviews Nephrology.

  • Guyton & Hall, Medical Physiology.

✔️ Auch hier: korrekt.


🧠 Wissenschaftlich saubere Zusammenfassung

Aussage Bewertung
Keine belastbaren Studien zu „basisch entspannt Faszie“ ✔️ korrekt
Faszien reagieren primär mechanisch ✔️ gut belegt
Myofibroblasten sind mechanosensitiv ✔️ gut belegt
pH als zentraler Steuermechanismus ❌ nicht belegt
„Übersäuertes Gewebe“ bei Gesunden ❌ medizinisch nicht anerkannt

🧩 Wichtige Differenzierung

Es gibt Hinweise, dass:

  • starke lokale Azidose (z.B. bei Entzündung)

  • Tumormilieu

  • Ischämie

Zellverhalten beeinflussen können.

Aber das ist nicht gleichzusetzen mit:
„Ernährung → basisch → Faszie entspannt“.

Das sind völlig unterschiedliche Ebenen.